Erscheinungsjahr:
2009
263 Seiten - gebundene Ausgabe
ISBN:
9783895614347
Jung, attraktiv, begabt und unabhängig: Das ist Mia Holl, eine Frau von dreißig Jahren, die sich vor einem Schwurgericht verantworten muss. Zur Last gelegt wird ihr ein Zuviel an Liebe (zu ihrem Bruder), ein Zuviel an Verstand (sie denkt naturwissenschaftlich) und ein Übermaß an geistiger Unabhängigkeit. In einer Gesellschaft, in der die Sorge um den Körper alle geistigen Werte verdrängt hat, reicht diese Innenausstattung aus, um als gefährliches Subjekt eingestuft zu werden. Mia Holl will beweisen, dass ihr Bruder, verurteilt wegen einer angeblichen Vergewaltigung, unschuldig ist. Sie gerät also in Stellung gegen das System, hier "Methode" genannt, auch aus Liebe zu ihrem Bruder, der sich das Leben nahm.
Juli Zeh entwirft in Corpus Delicti das spannende Science-Fiction-Szenario einer Gesundheitsdiktatur im Jahr 2057. Sie zeichnet ein System, das alle und alles kontrolliert. Gesundheit ist zur höchsten Bürgerspflicht geworden. Die "Methode" verlangt ein festes Sportpensum ebenso wie die Abgabe von Schlaf- und Ernährungsberichten. Buchstäblich über jeden Schritt seiner Bürger ist dieser Staat informiert.
Corpus Delicti handelt von höchst aktuellen Fragen: Wie weit kann und wird der Staat individuelle Rechte einschränken? Gibt es ein Recht des Einzelnen auf Widerstand?
Juli Zehs Corpus Delicti. Ein Prozess ist ein visionäres und ungeheuer spannendes Buch über unsere Zukunft, die wir immer weniger bestimmen können.
| Daniel_Lamb | |
| Die Methode ist überall. Wacht bei George Orwell noch der große Bruder über die Gesellschaft ist der Alltag im Roman der jungen deutschen Schriftstellerin Juli Zeh von Gesundheit und scheinbarer Vernunft bestimmt: Jeden Tag Radfahren, Liebe wird genetisch bedingt erlaubt oder eben nicht und über all dem wacht unanzweifelbar die Naturwissenschaft. Bis, ja bis Mia Holl in einen Prozess verwickelt wird, der die Methode in ihren Grundfesten erschüttert. weiter | |
| denise | |
| Juli Zeh hat die momentanen gesellschaftlichen Tendenzen bis zum Ende gedacht und daraus ein Theaterstück geschrieben, welches zu einem Roman umgewandelt wurde. - Was man dem Buch auch anmerkt. - Es gehört nicht zu ihren Glanzstücken, denn die Sprachbilder haben ihre Mehrdeutigkeit eingebüsst, sind nicht so durchdacht, wie man es von der Autorin gewöhnt ist. Trotz allem ist es sehr lohnenswert, der vernunftsloyalen Mia Holl beim, teilweise schmerzlichen, Überdenken der Ideale zu erlesen. weiter | |
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